Ich bin Texterin und was bist du?

(Eines vorweg: Wenn ich schreibe, dann schreibe ich einen Text erst einmal grob herunter, um alle meine Gedanken zusammenfassen zu können.

Bei diesem - für mich sehr persönlichen Thema - habe ich mich in Rage geschrieben und später festgestellt, dass ich dabei in das „Duzen“ kam. Ich habe es dann so gelassen, andernfalls hätte es dem Text wohl die Authentizität genommen.)

 

Bereits in frühester Kindheit werden die Heranwachsenden mit ihrer beruflichen Zukunft konfrontiert, die früher oder später auf sie hereinbrechen wird.

Kaum den Windeln entwachsen, werden sie immer wieder gefragt, was sie denn später werden möchten.

Möchten sie Feuerwehrmann, Tierarzt oder Verkäuferin sein? Vielleicht lieber Lehrer, Taxifahrer oder Architekt?

 

Schlagen Eltern nicht den „üblichen“ Weg der Kindererziehung ein, werden sie direkt darauf aufmerksam gemacht, dass die Kinder so oder so später auch nicht agieren dürfen auf der Arbeit.

Alles scheint sich auf die spätere berufliche Zukunft des Kindes zu fokussieren.

Das Kind kann besonders gut malen, zeigt ein kreativ-musisches Talent oder ist eine echte Sport-Kanone? Klasse! Das muss gefördert werden, denn das Kind könnte das später vielleicht im Beruf brauchen!

 

Und so ist es gar nicht selten, dass viele Kindergarten- und Grundschulkinder bereits eine derart volle Woche haben, dass neben Schulaufgaben und Training wenig bis keine Zeit für freies Spielen oder Verabredungen bleibt.

 

Machen wir einen Zeitsprung

 

Ich frage Dich: Bis du glücklich mit deiner Arbeit?

Ich war es nicht. Ich war tot unglücklich und habe mich beruflich gestrandet gefühlt. Und das mit gerade einmal dreißig Jahren.

Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass das noch den größten Teil meines Lebens so weitergehen soll.

 

Tag für Tag um sechs Uhr aufstehen, mich und das Kind tagfertig machen, den Tag auf der Arbeit verbringen, abends niedergeschlagen nach Hause fahren, weil die Stimmung wieder unterirdisch war und die letzten 4-5 Stunden vor dem Schlafengehen mit Haushalt und kochen verbringen.

 

Der einzige Lichtblick ist das Wochenende, das am Montag noch in weiter Ferne liegt und dafür umso schneller vorbei ist.

Und das alles für 1000 € monatlich und einem schlechten Gewissen, weil Kind und Mann vernachlässigt werden.

Ich hatte es leid.

Ja, sicherlich hatte ich nicht besonders viel Glück und wenig Weitsicht bei der Berufswahl (Wer hat die denn auch mit 16?), doch so wollte ich nicht weiter machen.

Vom Gedanken an die Selbstständigkeit bis zum festen Entschluss es zu wagen, vergingen viele Wochen und noch mehr Gedanken.

 

Ursprünglich wollte ich nebenberuflich beginnen, um dann IRGENDWANN Vollzeit freiberuflich arbeiten zu können.

Doch: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Kurz vor Ende der Probezeit wurde mir gekündigt und ich war keineswegs unglücklich. Im Gegenteil: In mir löste sich ein Knoten und ich schwor mir, dass ich nie wieder ein solches Arbeitsklima dulden würde.

 

Ist der einzige Sinn in unserem Leben nützlich und ein wertvoller Teil eines Systems zu sein?

 

Kein Arbeitsplatz der Welt ist es wert, dass ich krank werde, weil ich schon morgens mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehe.

Kein Geld kann es wettmachen, dass mir schlecht wird, sobald ich die Firma betrete und ich nur noch flüchten möchte, weil ein Auftrag verschuldet oder unverschuldet schief lief und ich genau weiß, dass ich gleich einen drauf bekomme und den Rest des Tages mit Todesverachtung bestraft werde.

 

Bereits ab unserer Kindheit werden wir darauf dressiert, dass nur Personen, die fleißig arbeiten, ein wertvolles Teil unseres Systems sind.

Wenn wir nicht arbeiten, sind wir faul. Und das gilt es zu vermeiden.

Ich bin ehrlich: Das Leben ist kurz. Es ist zu kurz und zu wertvoll, als das ich mich für einen Arbeitgeber kaputt mache, der es mir ohnehin nicht dankt.

 

Möchte ich Teil einer Gesellschaft sein?

Ja, gerne. Unter bestimmten Voraussetzungen.

Möchte ich arbeiten, um Teil einer Gesellschaft zu sein, obwohl ich daran kaputt gehe?

Nein, dann verzichte ich lieber darauf und gelte als faul.

Ich möchte damit nicht sagen, dass jeder seine Arbeit niederlegen sollte.

Aber: Wenn ihr nicht glücklich seid in eurem Job, müsst ihr so nicht leben! Das ist es nicht wert. Keiner wird es euch danken. Niemand!

Wollt ihr euer ohnehin kurzes Leben damit vergeuden einer Arbeit nachzugehen, die euch nicht glücklich macht?

Ich möchte das jedenfalls nicht.

 

Mit der Selbständigkeit habe ich mir nicht etwa einen langgehegten Traum erfüllt.

Ursprünglich wollte ich mich nämlich nienieniemals selbstständig machen.

Aber ich habe mir damit selber die Möglichkeit gegeben mein Talent und meine Freude am Schreiben sinnvoll zu nutzen und damit mein Geld zu verdienen.

Heute stehe ich morgens auf, ohne Bauchschmerzen und schlechte Gedanken, und freue mich auf die Herausforderungen, die der berufliche Alltag mit sich bringen wird.

Bekomme ich heute einen neuen, spannenden Auftrag oder Anfragen von potentiellen Auftraggebern?

Oder aber habe ich heute Zeit meinen Projekten nachzugehen, meine eigene Website zu optimieren, einen neuen Blogbeitrag zu verfassen oder meine Gedanken zur aktuellen politischen oder sozialen Situation in satirischen Texten zu verarbeiten?

 

Ob ich für den Rest meines Lebens selbstständig sein werde? Weiß ich nicht. Wer kann das schon mit Sicherheit sagen?

Fest steht für mich persönlich aber, dass ich nie wieder unglücklich im Beruf sein möchte.

 

Tu das, was du liebst, und du wirst nie wieder einen Tag arbeiten müssen

 

Das Zitat von Konfuzius ist bekannt, doch sind wir ehrlich: Wie realistisch ist das?

Im ersten Moment möchte man es mit strahlenden Augen und begeistert bejahen, denn es drückt genau das aus, was wir fühlen.

Realistisch ist es jedoch nicht, denn wie viele von unseren Hobbys oder Talenten können wir tatsächlich zu unserem Job machen?

Und wie findet man eigentlich den passenden Job?

Wir entwickeln uns stetig (oder jedenfalls die meisten von uns..) und damit ändern sich auch unsere Wünsche, unsere Verpflichtungen und unsere Lebenssituationen.

 

Ein Job, der mit 20 noch perfekt war und uns erfüllte, kann uns möglicherweise mit 30 langweilen und passt auch so gar nicht mehr in unsere aktuelle Situationen.

Was also tun? Nicht stillstehen. Stillstand ist tödlich. Risiken eingehen, wenn es nötig ist! Ihr könnt es nicht, weil ihr Familie habt? Doch, ihr könnt.

Auch wenn mich einige dafür hassen werden: Wir haben in Deutschland ein soziales Auffangsystem.

Und da könnt ihr jetzt auf mich schimpfen, aber dafür haben wir unser Sozialsystem.

Um Menschen aufzufangen, wenn sie fallen.

 

Verharrt nicht in eurer beruflichen Situation, wenn ihr unglücklich seid.

Ändert sie, um glücklich zu werden. Ohne Rücksicht darauf, was andere Menschen von euch denken. Die leben schließlich nicht euer Leben.

Habt Mut! Und bestärkt eure Kinder nicht darin ein wertvolles und fleißiges Teil eines Systems, sondern ein glücklicher und zufriedener Mensch zu werden.

 

Viele Grüße, eure Texterin

 



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