Nomen est omen - So beeinflussen uns Namen


 

Was denken Sie, wenn Sie den Namen Kevin hören?

Haben Sie den rebellierenden Hauptschüler und Spross einer bildungsfernen Hartz 4-Familie in 3. Generation vor Augen?

Und welches Bild entsteht in Ihrem Kopf, wenn Sie von "Anton" und "Hannah" erzählt bekommen?

Anton könnte ohne Probleme zur Führungsetage gehören und Hannah die neue 3. Klasse der Käthe-Kollwitz-Grundschule in Deutsch unterrichten. Richtig?

Lilly ist ein kleines, blondes Mädchen, Elisabeth eine ältere Dame und Malte trägt kratzige Baumwollsocken (selbstverständlich selbstgestrickt!) und Birkenstock-Schuhe.

 

Ob wir wollen nicht. Wir alle haben Vorurteile. Das gehört einfach zum Menschsein dazu.

Ist es fair, wenn wir Chantal-Angelina direkt als genetischen Super-GAU abstempeln, während wir Emma-Gretchen bereits als meisterhafte Virtuose feiern, obwohl sie noch nicht einen Ton gespielt hat? Nein, es nicht fair.

Auch unsere Pädagogen sind nicht davor gefeit Kinder nur aufgrund ihres Namens heimlich zu bewerten, auch wenn gerade sie natürlich neutral bleiben müssten.

Bereits 2009 fand die Oldenburger Universität heraus, dass Kinder mit den Namen Marie, Emma, Lukas oder Alexander als deutlich leistungsstärker, sozial kompetenter und sympathischer bewertet wurden, als Dennis, Kevin, Chantal und Shayenne.

 

Derzeit sind es die Michaels, Wolfgangs und Christians, die in den Chefsesseln sitzen.

Doch die Generation Kevin, Jerome und Justine rückt nach.

Denn ganz entgegen den Vorurteilen, die wir diesen Namen entgegen bringen, gibt es unter der Generation „Kevin“ genauso clevere Köpfe und sympathische Führungskräfte, wie sozial unverträgliche und kreuzdumme Lottas und Emmas.

 

Können wir unsere Vorurteile los werden? Natürlich können wir, wenn wir uns etwas bemühen.

Und wer es glaubt nicht zu können, dem sei gesagt, dass der große Sir Peter Ustinov, Sprachgenie, Künstler und Schauspieler, einst schrieb: „Es spricht vieles dafür, dass in einem leeren Kopf die Vorurteile besonders blühen.“ ;-)

 

Was können wir tun um ein einfacheres und weniger vorurteilsbehaftetes Miteinander zu haben?

 

Vorurteile abbauen!

Dies gelingt durch Empathie und Einfühlungsvermögen. Ein bisschen mehr Nachdenken und nicht zu sehr auf den Vorurteilen verharren.

Versetzen Sie sich in die Person hinein. Wie würden Sie sich fühlen und reagieren?

Knüpfen Sie positive Verbindungen, wenn Ihnen Menschen mit negativ belasteten Namen begegnen. Sie werden schnell feststellen, dass auf die gleiche Anzahl dummer Kevins, die selbe Menge Charlottes kommen.

Sie heißen Jacqueline oder Logan? Überzeugen Ihr Gegenüber, dass Sie so ganz anders sind, als es ihr Name gegebenenfalls vermuten lässt. Sorgen Sie für eine positive Assoziation mit Ihrem Namen.. oder aber stehen Sie drüber. ;)

 

Nomen est Omen? Vielleicht, aber es ist an uns das Richtige daraus zu machen.

Früher oder später sitzen Lea, Justin und Jacqueline ohnehin zusammen im Altersheim, zeigen sich gegenseitig ihre Sleeves, die faltigen, aber bunten Hintern oder das 50 Jahre alte Brustwarzenpiercing und warten auf die sonntäglichen Besuche ihrer Familien.

Bleibt nur eine Frage offen:

Wie mögen wohl die Urenkel heißen?..

 

Viele Grüße, Ihre Texterin