Anglizismen und die schöne deutsche Sprache


Während im Rechtschreib-Duden etwa 135.000 Stichwörter angegeben sind, zählt das "Große Wörterbuch der deutschen Sprache" 200.000 Wörter. Schätzungen zufolge gehen Experten aber von 300.000 bis 500.000 Wörtern im deutschen Sprachgebrauch aus.

Etwa 70.000 davon gehören zu unserem Standard-Wortschatz, die Restsumme sind regionalen Dialekten und  dem Fachjargon zuzuschreiben.

Wenn wir von 381.191 wörterbuchfähigen Wörtern ausgehen, finden sich 13.301 Anglizismen.

Das entspricht 3,5 %. Die tatsächliche Höhe ist umstritten und die 3,5 % wird von vielen Sprachforschern angezweifelt.

 

So viel zu Prozentzahlen. Kommen wir zu mir.

Im zarten Grundschulalter - also vor nun mehr wie 20 Jahren – kam bei mir in meiner damaligen Grundschulklasse das Wort „Cool“ gerade groß in Mode.

Zu dem Zeitpunkt waren wir wohl so etwa 7 bis 8 Jahre alt.

Und weil wir ja auch verdammt cool waren, nutzten wir nun bei jeder Gelegenheit das Wort „cool“.

Ich weiß noch bis heute, dass wir in einer Sportstunde das Wort wieder übermäßig gebrauchten, bis unsere Sportlehrer dann die Schnauze voll hatte und uns harsch anranzte, ob uns denn bewusst wäre, was das Wort übersetzt bedeutet.

Hallo? Wir waren 7, 8 Jahre alt. Natürlich wussten wir das nicht. Wir wussten nur, dass wir „cool“ waren.

 

Ob dem selben Lehrer von damals sich wohl immer noch die Haare sträuben in Anbetracht vom Gebrauch der Anglizismen in der deutschen Sprache?

„Cool“ ist wohl mittlerweile im deutschen Sprachgebrauch angekommen und wird kaum noch als Fremdwort wahrgenommen.

Wir sind einen ganzen Schritt weiter, denn zwischen „Outlet-Store“, Kiddie Contest, Bike, News und Outdoor-Möbeln, gesellen sich nun auch „Facility-Manager“ (Hausmeister!), „Case Manager“ (Fallbearbeiter) und „WC-Manager“ (Reinigungskraft für Toiletten).

Ist Ihnen bewusst was ein „Vision Clearance Engineer“ so macht? Ich sage es Ihnen: Er reinigt schlicht Scheiben.

 

Was ist so schlecht an einem Wettbewerb für Kinder, den Nachrichten und dem Fallbearbeiter?

Macht der Hausmeister seine Arbeit automatisch schlechter, nur weil er sich als Hausmeister präsentiert und nicht als „Facility- Manager“? Bekommt der „Vision Clearance Engineer“ die Fenster etwa sauberer und reiner, als der schnöde Fensterputzer?

 

Mich stört genau so was ungemein. Natürlich sind gewisse Anglizismen auch in meinen Sprachgebrauch über gegangen.

Aber ich reagiere empfindlich, wenn schlampig und unbedacht mit unserer schönen Sprache umgegangen wird.

Ja, mich nervt das! Warum sind die Menschen nicht mehr in der Lage anständig zu sprechen?

Und dabei sind es nicht nur die Jugendlichen, die man ja nun ohnehin in ihrem Hormon-Taumel nicht ernst nehmen kann. Auch Erwachsene verlernen zunehmend scheinbar das anständige Sprechen.

Da wird mit 3-Wort-Sätzen um sich geschmissen, Verben werden falsch konjugiert oder völlig verkehrte Zeiten angewandt.

Aus Den wird Denn, Seit und Seid wird verwechselt und Sätze einfach ganz fürchterlich zerstückelt.

„Dem Günther seine Mutter hat das gesagt“. Da rollen doch sicherlich nicht nur mir die Fußnägel hoch.

Und zwischen dieser ohnehin schon scheinbaren Schwierigkeit die eigene Muttersprache korrekt anzuwenden, gesellt sich nun noch das Problem durch Anglizismen, die ebenfalls oft völlig falsch verwendet werden.

Hier ist dann nicht nur das authentische junge Mädchen, dass es ja durch ihre Krankheit so schwer hat (Na, ahnen Sie es?), sondern auch der Body Bag, der auf den Rücken geschnallt, nicht nur praktisch, sondern auch komfortabel ist.

Auch sollte tunlichst vermieden werden von Public Viewing vor einer englischsprachigen Person zu sprechen.

Während das authentische junge Mädchen, natürlich eine Autistin ist und der Body Bag keineswegs ein Rucksack, wie gerne gehabt, sondern ein Leichensack, ist das Public Viewing nichts anderes als eine öffentliche Aufbahrung.

 

Sie merken es schon. Mich stören nicht nur Anglizismen. Mich stört der Missbrauch der deutschen Sprache.

Sie ist nicht die Einzigste (Ahhh...) und der Mann hat den Wagen des Nachbarn auch nicht retuschiert, sondern touchiert.

Warum nicht die Wörter nutzen, die man kennt oder eben nachschlagen, wenn Unsicherheit gegeben ist?

Ich bin der Auffassung, dass das Verhunzen nicht denen zugeschrieben ist, die wirklich ein Problem mit der deutschen Sprache haben, sondern viel mehr wird oft zu wenig Wert drauf gelegt, genau zu überlegen, was wie gesagt werden möchte. Also wird irgendwas raus gehauen – Das Gegenüber kann sich das schon selber zusammen reimen.

 

Ist dies vielleicht auch dem Internet zuzuschreiben? Gerade auch zum Beispiel in Foren ist es ein absolutes Phänomen. Hier hat man nur allzu oft den Eindruck, als hätten 90 % der Nutzer (Haa! Nicht User!) die Schule in der 4. Klasse abgebrochen.

Nicht nur, dass die Wörter oft Dreher drin haben (nihct statt nicht), die rein auf Faulheit und nicht auf eine Rechtsschreibschwäche zuzuschreiben ist. Nein. Oft genug wird entweder gar kein Wert auf Interpunktion gelegt oder es wimmelt vor Kommata, Punkten und Ausrufezeichen.

Absätze sind oft nicht existent und Groß- und Kleinschreibung wird ohnehin überbewertet.

 

 

Kaum einer von uns schreibt oder spricht perfekt, aber wäre es nicht schön, wenn wir uns alle vielleicht ein klein wenig mehr Mühe damit geben?

 

 

Viele Grüße, Ihre Texterin

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Kommentare: 1
  • #1

    Larissa (Mittwoch, 26 Oktober 2016 21:55)

    Sehr schön hast du hier geschrieben!!!! Da stimme ich vollkommen zu!!